Demobericht Dennis

indy artikel

Am 11. Juli fand in Berlin eine Demonstration für die Aufklärung des von Polizeibeamten begangenen Mordes an Dennis J. statt. Dieser war am 31.12.2008 in Schönfließ von einem Berliner Zivilfahnder mit acht Schüssen hingerichtet worden.

Die Demonstration war recht kurzfristig von Freunden und Angehörigen angemeldet worden, weil die Staatsanwaltschaft seit sieben Monaten nur zum Schein gegen den Todesschützen ermittelt.
Vor dem Friedhof am Herrmannplatz wurde sich gesammelt und ab diesem Zeitpunkt gab es einige echt krass polizeifeindliche Redebeiträge, die aber nicht nur Pöbelei waren sondern fundiert das Thema Staatliches Morden aufgriffen.
Um den Fall von Dennis nicht nochmal neu zu erzählen sei auf diesen recht objektiven Bericht verwiesen: http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,635683,00.html
Ungefähr 200 Leute machten sich dann auf den Weg zum Kottbusser Tor, davon viele Linksradikale, aber auch Menschen für die der Staat nur den Stempel „Intensivtäter“ hat.
Ebenso Leute vom Oury Jalloh Bündniss, denn die Demo war als offen für alle Betroffenen von Polizeigewalt angekündigt.
Die Stimmung war durchweg laut und kämpferisch, die Botschaft wurde von den Menschen, die am Kottbusser Damm leben und unterwegs sind zustimmend aufgenommen. Die Polizei war mit mittlerem Aufgebot vertreten, hielt sich zurück weil sie merkten, dass sie in dieser Gegend nicht beliebt sind.
Die Justiz sah sich durch die Demo genötigt, sich zu den laufenden Ermittlungen zu äussern, was hier gelesen werden kann:
Märkische Allgemeine – JUSTIZ: Gutachten belastet Todesschützen – Fall Schönfließ kurz vor dem Abschluss
TAZ – Schönfließ: Polizist droht Anklage im Herbst
Berliner Morgenpost – Fall Schönfließ – Todesschuss-Gutachten belastet Berliner Polizisten
Der Tagesspiegel – Schuss auf Kriminellen war nicht gerechtfertigt
Die Welt – Tod in Schönfließ – Polizeischüsse „durch nichts gerechtfertigt“

Die öffentliche Resonanz auf diese Demo war eines der Ziele, denn je weniger Reaktionen auf einen Mord durch Polizeibeamte folgen, desto niedriger deren Hemmschwelle zur Gewalt und desto grösser die Furcht grundsätzlich Widerstand zu leisten.
Ein weiteres Ziel war es, Personengruppen, die eher wenig miteinander zu tun haben, zusammen zubringen. Das ständige Gefasel von sozialer Revolution oder auch nur Revolte entbehrt nämlich jeder Grundlage, solange nicht alle Betroffenen des Krieges von oben, zusammenkommen. Dazu gehören zweifellos diejenigen, die als negativer Standortfaktor bei allen Problemen als bekämpfenswert angeprangert werden, nicht-deutsche und Hartz 4 Unterschichtler_innen aus Neukölln und Kreuzberg.
Die Resonanz auf diese Demo ist deshalb nicht nur befriedigend, jene die bei jedem Polizeiangriff auf linke Projekte und Antifademos aufschreien, waren zahlenmäßig nicht so vertreten, wie es das ständige Sponti-Posting auf Indymedia sugeriert.
Dennoch wurde gestern deutlich, dass staatliches Gewalt bald auf mehr Widerstand treffen wird.
Nach dem die Demo am Kotti zu Ende ging, wurde problemlos eine Polizeikette umgangen und eine Spontan Demo zum Strassenfest in der Waldemarstrasse folgte.





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